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Der Expressionismus war eine Kunstströmung des frühen 20. Jahrhunderts, die das subjektive Gefühl über die naturgetreue Abbildung stellte und durch grelle Farben, verzerrte Formen und starke Ausdruckskraft gekennzeichnet ist.
Der Expressionismus entstand um 1905 vor allem in Deutschland und prägte Malerei, Literatur, Theater und Film. Bis 2026 gehören expressionistische Werke zu den meistbesuchten Beständen europäischer Museen. Die Bewegung wollte nicht zeigen, wie die Welt aussieht, sondern wie sie sich anfühlt.

Merkmale des Expressionismus
- Leuchtende, oft unnatürliche Farben
- Verzerrte und vereinfachte Formen
- Starke Emotionen wie Angst, Sehnsucht oder Ekstase
- Ablehnung der reinen Naturnachahmung
Wichtige Künstlergruppen
Zwei Gruppen prägten den deutschen Expressionismus. Die «Brücke» wurde 1905 in Dresden gegründet, der «Blaue Reiter» 1911 in München. Zum Umkreis des Blauen Reiters gehörte auch Paul Klee, der sich der Bewegung zeitweise anschloss.
Die Brücke-Künstler um Ernst Ludwig Kirchner suchten einen neuen, unmittelbaren Ausdruck und lebten teils gemeinsam in Ateliergemeinschaften. Sie malten Akte, Strassenszenen und Landschaften in kräftigen, ungemischten Farben. Der Blaue Reiter um Wassily Kandinsky und Franz Marc dagegen betonte das Geistige in der Kunst und näherte sich der Abstraktion. Beide Gruppen veröffentlichten Manifeste und Almanache, die ihre Ideen verbreiteten.
Der Expressionismus blieb nicht auf die Malerei beschränkt. Auch in Literatur, Theater und im frühen Stummfilm fand er Ausdruck. Filme wie «Das Cabinet des Dr. Caligari» von 1920 übertrugen die verzerrten Formen und düsteren Stimmungen auf die Leinwand und prägten die Filmgeschichte nachhaltig.
Künstler und Hauptwerke
| Künstler | Werk | Jahr |
|---|---|---|
| Ernst Ludwig Kirchner | Strassenszene Berlin | 1913 |
| Franz Marc | Der Turm der blauen Pferde | 1913 |
| Wassily Kandinsky | Komposition VII | 1913 |
| Edvard Munch | Der Schrei (Vorläufer) | 1893 |
Einfluss und Verfolgung
Die Nationalsozialisten diffamierten den Expressionismus ab 1937 als «entartete Kunst» und entfernten tausende Werke aus deutschen Museen. Allein in der gleichnamigen Schau wurden rund 650 beschlagnahmte Arbeiten gezeigt. Viele Künstler emigrierten oder erhielten Malverbot. Trotzdem wirkte der Expressionismus weiter und beeinflusste die spätere moderne Kunst stark.
Bezug zur Schweizer Kunst
Auch in der Schweiz hinterliess der Expressionismus Spuren. Der Berner Paul Klee verband expressionistische Ansätze mit eigenen Wegen, und der Symbolist Ferdinand Hodler arbeitete zeitgleich an ausdrucksstarken Figurenbildern. Wer mehr über rohe, ungeschulte Ausdruckskraft erfahren möchte, sollte sich der Art Brut zuwenden.
Der Expressionismus gliederte sich in mehrere Phasen. Der frühe Expressionismus suchte den radikalen Ausdruck, während spätere Strömungen wie die Neue Sachlichkeit der 1920er-Jahre teils wieder nüchterner wurden. Wichtig ist auch der Wegbereiter Vincent van Gogh, dessen ausdrucksstarke Pinselführung und Farbgebung viele Expressionisten beeinflussten. So bildet der Expressionismus eine Brücke zwischen dem späten 19. Jahrhundert und den Avantgarden des 20. Jahrhunderts.
Häufige Fragen zum Expressionismus
Wann entstand der Expressionismus?
Die Bewegung entstand um 1905 und prägte vor allem die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Was sind die wichtigsten Merkmale?
Leuchtende Farben, verzerrte Formen und der Vorrang des subjektiven Gefühls vor der naturgetreuen Abbildung.
Welche Gruppen prägten den Expressionismus?
Vor allem die Künstlergruppen «Brücke» und «Blauer Reiter» in Deutschland.
Warum galt der Expressionismus als entartete Kunst?
Die Nationalsozialisten lehnten die moderne Formensprache ab und beschlagnahmten ab 1937 tausende Werke.
Fazit
Der Expressionismus stellte das Gefühl in den Mittelpunkt und veränderte die Kunst nachhaltig. Seine grellen Farben und kraftvollen Formen faszinieren bis 2026. Wer moderne Kunst verstehen will, beginnt am besten hier.
