Seit dem 1. Januar 2026 darf ein Barkredit in der Schweiz höchstens 10 Prozent effektiven Jahreszins kosten; für Überziehungskredite und Karten mit Kreditoption liegt die Grenze bei 12 Prozent (Quelle: EJPD-Verordnung über den Höchstzinssatz, in Kraft seit 1.1.2026). Deutschland kennt bis zum 20. November 2026 keine feste Obergrenze dieser Art, erst danach greift dort eine relative Grenze am marktüblichen Zins. Wie das deutsche System seine Kreditarten und Kosten sortiert, ist bei kreditmentor.de nachzulesen; für einen Vertrag mit einer Schweizer Kreditgeberin gelten diese Regeln nicht. Hierzulande bleibt die Zahl das, was sie ist: eine Obergrenze, kein Marktpreis.
Rechenbeispiel: 20’000 Franken für die neue Küche
Ein durchgerechneter Fall zeigt, was zwischen zwei Angeboten liegt. Die Annahmen sind offengelegt und bewusst einfach gehalten: 20’000 Franken Nettokredit für den Umbau einer Küche, Laufzeit 36 Monate, gleichbleibende Monatsraten, keine Zusatzprodukte. Verglichen werden zwei Offerten — eine am gesetzlichen Maximum von 10,0 Prozent, eine zweite, angenommene, zu 6,9 Prozent.
Am Maximum kostet der Kredit rund 641 Franken im Monat und über die gesamte Laufzeit etwa 3’087 Franken an Zinsen und Kosten. Bei 6,9 Prozent sind es rund 615 Franken monatlich und 2’130 Franken insgesamt. Zwischen beiden Offerten liegen 957 Franken — bei einer Monatsrate, die sich nur um 26 Franken unterscheidet. Genau darin liegt die Falle des Ratenvergleichs: Die Rate wirkt fast gleich, die Gesamtkosten unterscheiden sich um mehr als ein Drittel.
Wird derselbe Umbau über die Teilzahlungsfunktion einer Kreditkarte finanziert, sind bis zu 12 Prozent zulässig. Das ergibt in der gleichen Rechnung rund 658 Franken im Monat und etwa 3’704 Franken Gesamtkosten. Damit ist die Karte der teuerste der drei Wege. Ein Datum für die letzte Rate steht dort ausserdem nie fest.
Was die Obergrenze leistet und was nicht
Nicht aus dem Gesetz selbst stammt der Höchstzinssatz, sondern aus einer Verordnung. Art. 14 des Konsumkreditgesetzes gibt dem Bundesrat vor, den Satz so festzulegen, dass er in der Regel 15 Prozent nicht überschreitet; das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement bestimmt ihn jährlich neu. Per 1. Januar 2026 sank er von 11 auf 10 Prozent für Barkredite und von 13 auf 12 Prozent für Karten- und Überziehungskredite. Ein Artikel, der die Zahl ohne Jahresangabe nennt, ist am nächsten Neujahr überholt.
Ebenso wichtig ist der Geltungsbereich. Nur zwischen 500 und 80’000 Franken greift das Konsumkreditgesetz. Unterhalb und oberhalb dieser Spanne entfallen Höchstzinssatz, Widerrufsrecht und die Prüfung der Kreditfähigkeit; koordiniert vermittelte Kredite an dieselbe Person werden dabei zusammengezählt. Grundpfandgesicherte Kredite fallen ohnehin nicht darunter — für die Hypothek gelten die Selbstregulierung der Bankiervereinigung und deren Vorgaben zu Eigenmitteln und Amortisation.
Wie gross der Schweizer Markt ist
2025 kamen in der Schweiz 114’697 neue Konsumkreditverträge über zusammen 3,99 Milliarden Franken zustande, 1,7 Prozent weniger Verträge als im Vorjahr (Quelle: ZEK, Jahresbericht 2025). Auf 34’788 Franken lautete der durchschnittliche Neuvertrag; bei reinen Barkrediten betrug die mittlere Laufzeit 53,1 Monate. Ein Konsumkredit ist in der Schweiz also kein Kleinbetrag über wenige Monate, sondern eine Verpflichtung über gut vier Jahre.
Im Bestand summierte sich das Ende 2025 auf 373’215 laufende Verträge mit 8,90 Milliarden Franken Restbetrag; im Schnitt schuldete jeder Vertrag noch 23’859 Franken. Erfasst sind dabei nur Verträge, die von den Mitgliedsfirmen an die Zentralstelle gemeldet und noch nicht als saldiert markiert wurden. Leasingverträge zählen separat.
Für das Rechenbeispiel heisst das zweierlei. Die angenommenen 20’000 Franken liegen unter dem Schnitt der Neuabschlüsse, die gewählten 36 Monate deutlich unter der mittleren Laufzeit von 53,1 Monaten. Wer die Laufzeit auf fünf Jahre streckt, senkt die Monatsrate spürbar und zahlt dafür bei gleichem Zinssatz mehr als das Anderthalbfache an Zinsen. Damit ist die Laufzeit die zweite Stellschraube neben dem Zinssatz — und die einzige, über die im Gespräch mit der Kreditgeberin meist wirklich verhandelt wird.
Häufige Fragen
Ist ein Angebot unter dem Höchstzinssatz automatisch fair?
Nein. Verboten ist allein, was darüber liegt. Zwischen 4 und 10 Prozent ist alles zulässig, und genau in dieser Spanne entscheidet sich, ob ein Kredit ein paar hundert oder ein paar tausend Franken kostet. Verglichen wird deshalb der effektive Jahreszins mehrerer Offerten für dieselbe Summe und dieselbe Laufzeit.
Warum sinkt der Höchstzinssatz überhaupt?
Gekoppelt ist er an das allgemeine Zinsniveau, angepasst wird er jährlich. Sinken die Refinanzierungskosten der Kreditgeberinnen, sinkt auch die zulässige Obergrenze. Für laufende Verträge ändert sich dadurch nichts; die Anpassung wirkt auf neue Abschlüsse.
Was passiert bei einem Zins über der Grenze?
Nach Art. 15 KKG ist der Vertrag nichtig. Zurückzuzahlen ist die Kreditsumme dann in den vereinbarten Raten; Zinsen und Kosten entfallen. Vor der Preisspitze schützt die Regel also, einen Vergleich im zulässigen Bereich ersetzt sie nicht.
Lohnt sich eine kürzere Laufzeit immer?
Rechnerisch ja, weil weniger Zinsen anfallen. Praktisch zählt, ob die höhere Rate auch in einem Monat mit unerwarteten Ausgaben tragbar bleibt. Eine vorzeitige Rückzahlung ist nach Art. 17 KKG jederzeit möglich, samt Erlass der Zinsen für die nicht beanspruchte Zeit.
Fazit: die Gesamtkosten entscheiden
Wer eine Anschaffung finanziert, sollte drei Zahlen nebeneinanderlegen: effektiver Jahreszins, Monatsrate und Summe aller Zahlungen über die volle Laufzeit. Im Rechenbeispiel trennten 26 Franken Ratenunterschied zwei Offerten, die sich in den Gesamtkosten um 957 Franken unterschieden. Sinnvoll ist deshalb, mindestens drei Offerten für identische Summe und Laufzeit einzuholen und die Gesamtkosten in Franken zu vergleichen, nicht in Prozentpunkten. Und bevor überhaupt ein Kredit nötig wird, lohnt der Blick auf die laufenden Fixkosten: Ein Vergleich der Stromtarife oder ein Wechsel beim Zahlungsanbieter für Onlinekäufe bringt zwar keine 20’000 Franken, verkleinert aber den Betrag, der finanziert werden muss.
